Mittwoch , 21.08.2019

Was wie eine Selbstverständlichkeit klingt, scheint keine zu sein - anders lässt sich zumindest das Auftreten vieler Bewerber auf dem Absolventenkongress nicht erklären.

Aussteller auf dem Absolventenkongress betrachten Ihre Besucher als reguläre Bewerber. Das ist den meisten Messebesuchern auch bewusst, sie kleiden sich daher entsprechend. Offensichtlich gibt es aber Defizite bei den Bewerbern, was eine angemessene Kleidung tatsächlich ausmacht. Viele Bewerber wären so auf einer Hochzeit nicht weiter aufgefallen - aber nicht alles was zu einer Hochzeit passt kann im Geschäftsalltag getragen werden.

Ist es zu  Beginn des 21. Jahrhunderts nicht angezeigt sich insgesamt modischer zu kleiden? Man mag es kaum glauben, aber die Ansprüche an den modernen Bewerber sind überwiegend konservativ, unsere Gespräche bestätigen diese Einschätzung.

Danach erwarten die Unternehmen naturgemäß unisono, dass ein Bewerber sich in seinem Vorstellungsgespräch von seiner besten Seite zeigt - im Detail. Dabei kommt es nicht darauf an, ob der Unternehmer selber konservativ ist, sondern vielmehr soll der Bewerber zeigen, dass er um die Etikette weiß.

Das Unternehmen muss doch davon ausgehen, dass der Bewerber sich im Zweifel auch beim Kunden so benimmt und kleidet wie im Vorstellungsgespräch. Gerade im Bereich Beratung muss daher Stilsicherheit bewiesen werden. Die meisten Unternehmen legen hierauf uneingeschränkt wert, insbesondere Mittelständler und Großunternehmen.

Wir empfehlen, beim Besuch einer Veranstalltung oder einem gesellschaftlichen Ereignis mit Unternehmern einmal bewußt auf die Kleidung zu achten - Sie werden überrascht sein wie einheitlich die Besucher im Schnitt gekleidet sind. Auf Bewerber trifft diese Einschätzung nach Beobachtungen auf dem Absolventenkongress indes nicht zu.

Da der Bewerber vor einem Vorstellungsgespräch selten weiß, worauf sein Gesprächspartner wert legt, empfehlen wir die konservative Schule streng einzuhalten - das ist jedenfalls nicht falsch (außer man bewirbt sich bei Disney).

Klartext: Orangefarbene Strähnchen, Kakadu-Frisur, Schwarzer Anzug mit schwarzem Hemd und gelber Krawatte, hochgeschlossener Anzug (4-Knöpfe), braune Schuhe, Piercing, Lippenbändchen, hochhackige Schuhe etc. sind absolut unangebracht. Natürlich waren die meisten Sünder auf der Messe keine Wirtschaftsjuristen, aber leider auch.

Ein streng konservatives und damit sicheres Äußeres sieht für den Mann wie folgt aus: Schwarzer einreihiger Anzug (max. dunkelblau), ohne Weste (wirkt zu gesetzt und distanziert), mit schwarzen Socken, schwarzen Schuhen und schwarzem Gürtel. Der Gürtel wird auch getragen wenn die Hose nicht rutscht, dass ist eine Frage der Optik.

Dazu wird ein weißes oder max. hellblaues Hemd mit einer gedeckten Krawatte getragen. Die Krawatte sollte schlicht und definitiv ohne lustige Motive sein, keinesfalls rot (macht aggressiv). Einige Personalchefs und Manager empfinden Manschettenknöpfe bei Berufsanfängern als \"großkotzig\", daher sollte der Berufseinsteiger auf Manschettenknöpfe besser verzichten.

Es ist fast peinlich diesen Punkt erwähnen zu müssen, aber den kleinen Hugo Boss Aufnäher am Ärmel trennt man vor dem ersten Tragen ab, er dient nur der Identifizierung beim Kauf (auch wenn dann niemand mehr sieht was für einen teueren Anzug man trägt).

Als Mann sollte man auf jeglichen Schmuck verzichten; Ausnahme ist natürlich der Ehering. Das Einstecktuch wirkt antiquiert und ist nicht business-tauglich, daher bitte weglassen (und bitte auch sonst).

Die konservative Empfehlung für die Dame liest sich so: Schwarzer Hosenanzug oder ein schwarzes Kostüm, bei dem der Rock über die Knie reicht. Die Dame sollte nicht auf eine weiße Bluse verzichten (gerade den Damen wird von anderen Farben abgeraten; hellblau und ggf. zartrosa sind denkbar). Zum Rock wird eine Strumpfhose getragen.

Schmuck und Kosmetik sind erlaubt, müssen aber dezent und unaufdringlich sein. Erlaubter Schmuck sind dabei Ring, einzelner Ohrring und Halskette - Fußkettchen sind nicht angezeigt. Schmuck muss klassisch sein - z.B. kein riesiger Ohrring.

Piercing, Lippenbändchen, Nasenstecker etc. sind bei Frauen ebenso absolut tabu. Die Schuhe sind elegant in schwarz und nicht hochhackig. Es kann ein Halstuch getragen werden, Hüte sind nicht business-tauglich und daher daheim zu lassen.

Weder die Dame noch der Herr sollte sein stilsicheres Auftreten durch stillose Accessoires torpedieren. So praktisch wie Rucksäcke auch gerade bei Bahnreisen sein mögen (was hat man da eigentlich drin, was man im Vorstellungsgespräch braucht ?) - es gibt jedenfalls Schließfächer. Die passende Damentasche ist natürlich vollkommen unproblematisch und auch eine Dokumentenmappe beim Herrn ist nicht schädlich (wohl aber ein Aktenkoffer, der wirkt \"wichtigtuerisch\" und wir wissen ja, dass nichts wichtiges drin sein kann).

"Verstöße" gegen diese Schule führen nicht unbedingt zum Bewerberausschluss, können aber sehr wohl im Vergleich zu Mitbewerbern der entscheidene negative Punkt sein. Aus eigener Erfahrung auf Arbeitgeberseite kann ich nur darauf hinweisen, dass nach einem Vorstellungsgespräch auch über die Kleidung gesprochen wird. In jedem Fall bleibt mindestens ein unterbewußter Eindruck hängen.

Zeigen Sie Ihrem potentiellen Arbeitgeber, dass Sie wissen was sich gehört. Er wird das nicht als konservativ oder gar spießig verstehen, sondern als professionell. Durch stilsichere Kleidung findet man keinen Arbeitsplatz, aber sicher verliert man den ein oder anderen bei Mißachtung.

 

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